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Dr. Volker Külow stellt sich den brisanten Fragen
Politthriller im Stadtteilladen: Dr. Volker Külow präsentiert Recherche-Ergebnisse
Der Veranstaltungsraum ist wieder gut gefüllt. Das Publikum: überwiegend männlich, gefühltes Durchschnittsalter um die 70. Der angekündigte Vortrag wird mit Spannung erwartet.

Dr. Volker Külow stellt sich vor als promovierter Historiker, Stadtrat in Leipzig, Abgeordneter des Sächsischen Landtages und Mitglied im dortigen 1. Untersuchungsausschuss.

Zur Thematik Korruption führt er seit einem Jahr eigene Recherchen durch, hatte zahlreiche Kontakte mit Journalisten, sah Dutzende von Akten ein (soweit es ihm erlaubt wurde ) und ist zu erschreckenden Einsichten gekommen.

„Der Sachsen-Sumpf - Demokratie am Abgrund“ hat er sein 40 minütiges Referat genannt. Der Zuhörer spürt die Spannung, das Sich-Mühen um Aufklärung von groben Missständen bis hin zur „organisierten Kriminalität“. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss ist bereits eingesetzt worden und hat 15 600 Seiten durchgearbeitet, jedoch sind immer wieder Ordner verschwunden. Külow spricht von dem Versuch, den Ausschuss in seiner Arbeit zu blockieren, während gleichzeitig rechtswidrig Informationen an die Presse ( zuletzt an den Focus ) weitergegeben wurden. Spiegel und FAZ hatten schon länger deutschlandweit Schlagzeilen über den „Sachsen-Sumpf“ ( ein Ausdruck der Presse ) verbreitet.

Seit etwa 1992 gab es in Sachsen zahlreiche Fälle, die nie ordnungsgemäß aufgeklärt worden sind. „Die dritte Gewalt funktioniert nicht mehr in Sachsen“, so Külow, die Juristen „umgeben den Ministerpräsidenten wie eine Prätorianergarde“ und schirmen ihn von allem ab. Die Verzahnung von Politik und Justiz sei schlimmer als bei der sizilianischen Mafia.

Abschließend verspricht er, dass die Linkspartei alles tun wird, um die Aufklärung der „Regierungskriminalität“ voranzutreiben.

Die anschließende Diskussion ist entsprechend erregt. Wie groß ist die Chance einer erfolgreichen Aufdeckung? Wie weit reichen die sächsischen Affären in die Bundespolitik? Einige Bürger bringen Ungerechtigkeiten aus ihrem persönlichen Erfahrungbereich ins Spiel. Am meisten bemängelt wird immer wieder das durchweg westliche Personal in Schlüsselpositionen seit der Wende, oftmals fachlich völlig inkompetente Leute. Überall, in Wirtschaftspositionen wie auch an der Universität, sitzen „Wessis“ an den entscheidenden Stellen. Ein Redner meint, dem sächsischen Wahlkampf habe immer der Esprit gefehlt. „Warum sagt man diesen Deppen nicht, dass sie Deppen sind und schickt neue her?“ Die Staatsregierung versucht, die Sache in ihrer Brisanz herunterzuspielen. Der „Sumpf“ wird einfach nicht wahrgenommen.
Der Ruf nach Veröffentlichung wird laut. Bisher hat „frontal 21“ schon vier mal berichtet, die „junge welt“ und das „Neue Deutschland“ berichten. Aber natürlich - so verspricht Külow - wird es bald ein „Buch zum Sumpf“ geben.
Zum Schluss jedoch erhebt sich ein Besucher, der sich als „in der Justiz arbeitender Wessi“ vorstellt. „Wie wollen Sie, sollte denn die Linkspartei an die Macht kommen, die dritte Gewalt in die Nähe dessen bringen, was Sie erwarten?“ fragt er den Referenten.
Auch die LINKE, so Külows Antwort, habe keinen masterplan. Es brauche sehr viel Zeit und Mühe, Altes zu entflechten und die Demokratie von Neuem aufzubauen.

Herr Brandner versucht nun, mit Blumen und dem Goethezitat „Ein Sumpf zieht am Gebirge hin, verpestet alles schon Errungne“ in bewährter Weise einen friedvollen Abschluss zu schaffen.
Aber die Diskussion geht weiter, rund um den Rednertisch, es wird auch laut. Da ist noch viel Klärungsbedarf.

Wir weisen an dieser Stelle darauf hin, dass die NGG Leipzig, die IG Metall Leipzig, Leipzig. Courage zeigen e.V. und die Gesellschaft für Völkerverständigung e.V.
am Dienstag, dem 4.Dezember 2007 um 19 Uhr in der Alten Handelsbörse ( Naschmarkt ) eine Podiumsdiskussion zum Thema

„Die Affären um den „Sachsen-Sumpf“ - Wer klärt in Leipzig Mafia-Vorwürfe auf?

durchführen. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen.




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Redaktion:
Bürgerverein Leutzsch BV Leutzsch