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Wir wollen lieber fliegen als kriechen - Frau Scheid-Schröder spricht über Henriette Goldschmidt
Bereits vor einigen Wochen hatte Frau Ursula Franziska Scheid-Schröder in unserem Stadtteilladen eine rege Diskussion entfacht, als sie am Beispiel von Schillers Gattin Charlotte von Lengefeld über die Rolle der Frau in Familie und Gesellschaft einst und jetzt sprach. Nun ging die Zeitreise weiter, und sie wandte sich dem Thema „Henriette Goldschmidt und die Folgen: eine Hochschule für Frauen“ zu.

Frau Scheid-Schröder ist eine Wandlerin zwischen den Welten: Sie erzählt, wie sie in den bewegten Zeiten 1989 in einer Hamburger Bibliothek saß und gespannt die Ereignisse in Leipzig verfolgte. Geboren im Osten des geteilten Deutschland, kam sie nach familiären Verwicklungen im Alter von 15 Jahren nach Westdeutschland. Dort wurde sie von der sich nach 1968 entwickelnden Frauenbewegung inspiriert. Der Kontakt zur DDR riss aber nicht ab: Sie verfolgte die hier entstehende Frauenliteratur von Christa Wolf bis Irmtraud Morgner. Bald hatte sie auch intensive Kontakte zur Pädagogischen Hochschule „Clara Zetkin“ in Leipzig und den dortigen Frauenforscherinnen geknüpft. Sie musste erleben, wie die Hochschule 1992 geschlossen wurde und versuchte, gemeinsam mit ihren nun arbeitslosen Kolleginnen das Forschungsgebiet „ohne Amt und ohne Ehre“ weiterzuführen.

Ein besonderes Interesse hatte Frau Scheid-Schröder an Henriette Goldschmidt, die, von den Ideen der 48er Revolution beeinflusst, Mitte des 19.Jh. aus Warschau nach Leipzig kam und gemeinsam mit Louise Otto-Peters einen Verein zur Bildung von Frauen gründete. Nach dem Vorbild von Schillers Menschenbild und Fröbels Erziehungslehre arbeitete sie für ALLE Frauen, die nach Bildung strebten. Die 1911 von ihr gegründete „Hochschule für Frauen“ in Leipzig existiert als Berufliches Schulzentrum für den Sozialbereich noch heute.

In der Diskussion brachten die Zuhörerinnen und Zuhörer ihre eigenen Erinnerungen und Erlebnisse ein, an die eigene Schulzeit, an die heutige Zeit und die Entwicklung von Kindern und Enkeln. Es kam auch zu einer kleinen Kontroverse über Alice Schwarzer und die feministische Zeitschrift „Emma“ – zu den Gästen gehörte auch eine kürzlich aus Frankfurt /Main nach Lindenau zugezogene Dame. Kurzum, ein interessanter Vortrag, ein bunt gemischtes Publikum, das nach weiterer wissenschaftlicher Kost verlangte.

Und natürlich geht es weiter: Im September spricht Frau Scheid-Schröder über den Abtreibungsparagraphen in der Alt-BRD. Man darf gespannt sein.



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Redaktion:
Bürgerverein Leutzsch BV Leutzsch