Blickpunkt Leutzsch - Impressionen

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Die Sache ist der Mühe wert- Vortrag von Frau Gerit Schleusener im Stadtteilladen
Es gibt Menschen, die betreten sanft und leise einen Raum und bringen ihn zum Leuchten.

So wie Frau Schleusener, die Leiterin des Tagestreffs für Wohnungslose in der Rückmarsdorfer Straße 5, die von interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern in den Räumen des BürgerVereins Leutzsch erwartet wurde. Einen ihrer „starken Männer“ hatte sie gleich mitgebracht, einen, den sie aus der Hoffnungslosigkeit wieder ins Leben zurückgeholt hatte.

Liebevoll sprach sie über ihre „Knochenarbeit“ in dem von der Volkssolidarität getragenen Tagestreff, der sich seit 2001 in Leutzsch befindet und eine erste Anlaufstelle für Männer darstellt, die nach einem oft sehr schweren persönlichen Schicksal alles verloren haben, Arbeit, Wohnung, Familie. Diesen Menschen wieder einen Platz im normalen Leben zu geben, sie an der Gesellschaft teilhaben zu lassen, ist Ziel der Anstrengungen von Frau Schleusener und ihren Mitarbeiterinnen.

Wie kommt eine so junge, schöne Frau dazu, eine harte und schwierige Aufgabe wie diese zu übernehmen? Mit großer innerer Ruhe erzählt sie von ihrer „ganz normalen“ Kindheit und Jugend in der DDR, mit Pionierorganisation, FDJ und Jugendweihe und dann die Idee, doch mehr tun zu wollen und zu müssen. Sie studiert Theologie, arbeitet kurzzeitig als Religionslehrerin und entscheidet sich dann für konkrete, praktische Hilfe von einem christlichen Standpunkt aus.

Ihr Grundsatz: Jeder Mensch trägt die Fähigkeiten, die er zum Überleben braucht, in sich, jeder ist Gottes Geschöpf und besitzt menschliche Würde. Anfang und Bestimmung jedes Lebens ist die Liebe. Sie versucht, Liebe, Wärme, Geborgenheit zu geben. Die Männer, die oft von Kindheit an all dies entbehren mussten, sind es ihr wert, sie wieder aufzubauen, gerade in einer Gesellschaft, die Wohnungslose als „menschlichen Müll“ ansieht.

Wie sieht das konkret aus? Zuhören, mit ihnen sprechen. Gemeinsame Spiele machen statt Fernseher einschalten. Entspannungsübungen. Es bilden sich kleine Diskussionskreise: über Alltagsprobleme, Kultur, politisches Geschehen. Praktisch zupacken und „Frauenarbeit“ verrichten lernen, um sich wieder selbst im Leben zurecht zu finden ( Wäsche waschen, einkaufen gehen usw.).

Wie muss man als Frau sein, um solch eine Arbeit bewältigen zu können? Emanzipiert, meint Frau Schleusener, innerlich frei, unbestechlich, stark. Die Männer sehen sie in der Rolle der Mutter, der Tochter, der Lehrerin – je nach Lebensalter und –erfahrung. Mit Menschen zu arbeiten, ihre Fähigkeiten entfalten zu helfen, ist für Frau Schleusener Erfüllung. Ihre allmähliche Wandlung erlebt sie als ein Wunder. Am Ende sagt sie, wie sehr sie sich auf die 30 Dienstjahre freut, die noch vor ihr liegen.

http://www.volkssolidaritaet-leipzig.de/

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Redaktion:
Bürgerverein Leutzsch BV Leutzsch